INSPIRATERIE | Es ist egal, wo eine Idee herkommt – entscheidend ist, wo man sie hinführt

„Es gibt eine Grenze, wo Zurückhaltung aufhört eine Tugend zu sein.“ (Edmund Burke)

„Piraterie, Freibeutertum, Diebstahl zu eigennützigen Zwecken? Nein danke!“ – Diese erste Reaktion auf den Wortteil „Piraterie“ im Begriff „Inspiraterie“ ist nur allzu verständlich. Aber verabschieden sie sich zunächst einmal von dem Vorurteil, dass, eine Idee zu kopieren oder ein Prinzip nachzuahmen, ein Zeichen von Schwä­che sei. Gut, uns wird immer erzählt, wie wich­tig Kreativität und Erfindungsgeist sei­en, weshalb etwas Innovatives zu erschaf­fen als oberstes Gebot gilt. Das ist auch grundsätzlich nicht falsch, aber die Historie zeigt, dass es neben speziellen „Patentrezepten“ (mit dem Fokus auf „Patent“) auch die grundsätzlichen Rezepte gibt, die – vom Wortsinn her von lateinisch „recipere“ = „nehmen“ abgeleitet – eine Art Empfehlungen sind, die beim Kochen oder in der Medizin durchaus den Zielen entsprechend variiert werden können.

Das Stigma ensteht, nach der Meinung der Psychologie, schon im Kin­desalter, wenn an­dere mit dem Etikett „Nachmacher“ versehen werden, wobei doch unsere geistige Entwicklung zu großen Teilen auf dem Prinzip des Nachahmens basiert. Ohne Idole oder Vorbilder, denen der einzelne Mensch große Bewunderung entgegenbringt, würde ein Individuum viele seiner Fertigkeiten niemals lernen – bis heute der Grundstock für jedes Handwerk. Und weshalb soll genau das nun plötzlich nicht mehr gelten? – Also: „Bühne frei“ für INSPIRATERIE.

Die Devise „Weshalb das Rad ein zweites Mal erfinden?“ ist allgemein bekannt und Steve Jobs, Gründer eines ebenso wertvollen wie innovativen Technoligie-Unternehmens, zitierte ger­ne Pablo Picasso mit dessen Worten: „Gute Künstler kopieren, großar­tige Künstler stehlen.“, wobei der spanische Maler, Grafiker und Bildhauer das Wort „steh­len“ stellvertretend für „sich etwas zu eigen machen“, verwendete. Die Kunst der Inspiraterie besteht näm­lich darin, eine Idee aufzugreifen und diese mit dem eigenen Gefühl zum eigenen Zweck weiterzuentwickeln. Voraussetzung ist hier­für die Gabe der Beobachtung und des Einfühlens in eine Idee oder ein Prinzip. Auch ein Unternehmen der freien WIrtschaft wird versuchen, die Intentionen eines Wettbewerbers erst einmal zu verstehen, bevor man sich ihm mit Produkten oder Dienstleistiungen entgegen stellt. Wer dabei den Nutzen in den Vordergund stellt, ist bereits auf dem besten Weg, durch Interaktion eine eigene Idee, ein neues Prinzip zu erzeugen.

Natürlich darf man dabei keinerlei geschützte Rechte verletzen, denn darauf warten bestimmte Rechtsanwaltskanzleien und Abmahnanwälte mit professioneller Härte. Aber in einer Welt, die vor frischen Ideen nur so sprüht, gibt es eine Fülle von (rechte-)freien Vorbildern für jegliche Form der Verwaltungsarbeit, die nur darauf warten, weitergenutzt zu werden. Der Satz „Wir machen das nicht nach, wir sind einfach nur wir selbst und suchen nach eigenen Lösungen“ hat oft mit vermeintlichem Stolz zu tun, hat am Ende dann auch nur wenig Soziales und kann teuer werden. Einmal davon abgesehen, dass es wohl kaum langweili­gere Verwaltungen gibt, als solche, die mit sich selbst zufrieden sind oder eben das Rad ein zweites Mal erfinden wollen.

„Inspiraterie“ meint also: Schauen sie sich um, was anderswo vorhanden ist und „prinzipiell“ zu ihren Anforderungen passt. Es ist eine Illusion anzunehmen, dass man etwas schaffen könne, was nicht von dem Wirken Dritter beeinflusst ist. Kommunizieren sie mit den Ideengebern und sie werden feststellen, dass andere Verwaltungen ihre besten Ideen gerne und sogar mit einem berechtigten Stolz (inklusive kleiner Tipps) weitergeben. Das wiederum führt erst zu einer Art Evolution von Ideen, wobei die nächste Idee auch immer besser sein kann, als die vorherige. Am Ende zählt das Ergebnis, nicht die Kreativität.

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